
„Mitarbeiter können alles:
Olaf Henkel
wenn man sie weiterbildet,
wenn man ihnen Werkzeuge gibt,
vor allem aber, wenn man es ihnen zutraut.“
Dieses Zitat klingt einfach; fast selbstverständlich. Und doch scheitern viele Unternehmen tagtäglich genau daran.
Nicht an mangelnder Intelligenz. Nicht an fehlendem Willen. Sondern an fehlendem Zutrauen.
Mit diesem Artikel beleuchte ich, warum das Vertrauen in Mitarbeiter der stärkste Hebel für Leistung, Motivation und Entwicklung ist – und was Führung konkret tun kann, um dieses Potenzial freizusetzen.
„Mitarbeiter können alles“ – wirklich?
Natürlich kann nicht jeder alles sofort. Das ist nicht gemeint. Henkel spricht nicht von Perfektion, sondern von Entwicklungspotenzial.
Menschen sind lernfähig, anpassungsfähig, kreativ. Doch nur dann, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.
Drei davon benennt das Zitat eindeutig:
- Weiterbildung
- Werkzeuge
- Zutrauen
Spannend ist die Reihenfolge, denn das Wichtigste kommt zum Schluss.
Weiterbildung: Wissen allein reicht nicht
Workshops, E‑Learnings, Coachings – Unternehmen investieren viel Zeit und Geld in die Entwicklung ihrer Mitarbeiter.
Und trotz allem bleibt der erzielte Effekt gering. Warum?
Weil Wissen ohne Anwendung verpufft.
Mitarbeiter, die geschult werden, danach aber
- nichts ausprobieren dürfen,
- keine Entscheidungen treffen sollen,
- für Fehler sanktioniert werden,
entsteht kein Lernen, sondern Frust und Unsicherheit.
Weiterbildung wirkt nur dann, wenn sie gelebt werden darf.
Werkzeuge: Die unsichtbare Leistungsbremse
Werkzeuge sind mehr als Software oder Technik.
Dazu gehören:
- klare Prozesse
- gute Kommunikation
- verfügbare Ansprechpartner
- Entscheidungsbefugnisse
- Zeit
- Vertrauen
Manchmal erlebe ich, dass Mitarbeiter unsicher im einfachen Grundlagenwissen sind. Wissen, das nicht bei ihnen angekommen ist. Führungskräfte, die gerade keine Zeit haben und kurz angebunden sind. Mitarbeiter, die in kürzester Zeit viel Wissen aufschnappen müssen und im Nachgang mit diesem allein gelassen werden. Fehlendes Vertrauen, das Verhalten eher böswillig deutet, anstatt als Fehler.
Ein Ferrari, der sein Potenzial nicht ausschöpfen kann, weil er ausschließlich im ersten Gang gefahren wird, mag schneller sein, als andere Autos im ersten Gang – doch er entwickelt nie sein volles Potenzial.
Zutrauen: der entscheidende Faktor
Menschen verhalten sich oft so, wie man sie behandelt:
- Wem man mit Misstrauen begegnet, der sichert sich ab.
- Wem man alles kontrolliert, der denkt nicht mehr selbst.
- Wem man nichts zutraut, der wächst nicht.
Umgekehrt gilt:
Wer spürt, dass man ihm etwas zutraut,
- übernimmt Verantwortung,
- denkt mit
- wächst über sich hinaus.
Nicht immer sofort. Nicht fehlerfrei. Doch stetig. Nachhaltig. Dauerhaft.
Führung bedeutet: Potenzial freilegen, nicht alles wissen
Moderne Führung bedeutet nicht, überall der Beste zu sein.
Sondern:
- den Rahmen zu schaffen,
- Sicherheit zu geben,
- Entwicklung zu ermöglichen.
Das erfordert Mut, denn Zutrauen bedeutet auch:
- Kontrolle abzugeben,
- Fehler zuzulassen,
- nicht immer recht zu haben,
- anderen erlauben, sich so zu entwickeln, dass sie erfolgreicher werden, als man selbst.
Doch exakt hier entsteht echte Stärke im Team.
Die Erkenntnis: Zutrauen ist der Anfang von allem
Weiterbildung ist wichtig. Werkzeuge sind wichtig.
Aber ohne Zutrauen bleibt alles Theorie.
Das Zitat von Olaf Henkel erinnert mich daran:
Mitarbeiter sind kein Kostenfaktor, den man steuert. Sie sind ein Potenzial, das man entfaltet.
Und das beginnt mit einer einfachen und mutigen Entscheidung: Ich traue dir etwas zu.
Wenn du Führungskraft bist
Mitarbeiter scheitern selten am Können, sondern häufig an fehlendem Zutrauen. Wenn dein Team nicht liefert, liegt das oft nicht am Team, sondern an dir.
Weiterbildung wirkt erst dann, wenn Verantwortung und Entscheidungsraum folgen. Kontrolle erzeugt Mittelmaß, Zutrauen erzeugt Verantwortung.
Deine Haltung bestimmt, wie groß dein Team denkt und handelt. Deine Mitarbeiter wachsen nur so weit, wie du bereit bist, loszulassen.
Trau dich, Kontrolle abzugeben – und erlebe, wie Verantwortung zurückkommt.
Wenn du Mitarbeiter bist
Dein Potenzial ist größer als dein aktueller Aufgabenrahmen. Wenn man dir nichts zutraut, heißt das nicht, dass du nichts kannst.
Entwicklung beginnt dort, wo du Verantwortung annimmst und entsprechend handelst. Entwicklung beginnt nicht mit einer Erlaubnis, sondern mit Haltung und Handlung.
Zutrauen von außen darfst du durch Selbstvertrauen ersetzen. Wer Verantwortung übernimmt, wird sichtbar – wer wartet, bleibt bequem.
Warte nicht auf Erlaubnis – zeig, was in dir steckt. Willst du weiter verwaltet werden oder endlich wirken? Dann fang heute an, Verantwortung zu übernehmen.
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