Zwanzig Zentimeter, die mein Leben verändert haben

Zwanzig Zentimeter. Ich weiß, was ihr jetzt denkt. Und ja: Sie haben mich glücklich gemacht. Sehr glücklich sogar. Seit diesem Wochenende schlafe ich wie ein Stein, wache entspannt auf und frage mich, warum ich mir das nicht schon viel früher gegönnt habe. Auch meine Frau profitiert davon und hat sich bisher nicht über diese 20 cm beschwert, auch wenn sie sich erst daran gewöhnen musste.

Ich gebe zu, früher hielt ich solche Dinge für überbewertet. Zwanzig Zentimeter, was sollen die paar Zentimeter mehr schon ausmachen? Eine ganze Menge, wie sich herausstellte. Vor allem in der Nacht.

Aber der Reihe nach.

Das Drama der 135×200

Ja, ich rede von einer Bettdecke. Enttäuscht? Dann kennt ihr keine Entscheidungsnot im Winter. Jahrelang schliefen meine Frau und ich unter dem üblichen Standard: 135×200. Das war eben so. Gottgegeben, unveränderlich, wie das Wetter oder die alljährliche Steuererklärung. Dabei stand ich viele Winternächte vor einer Entscheidung, die eines Shakespeare-Dramas würdig wäre: Kopf oder Füße? Das ist hier die Frage.

Deckte ich die Schultern bis zum Kopf zu, fror ich an den Füßen. Wärmte ich die Füße, lag der Kopf frei und kühl. Nahm ich eine zweite Decke dazu, wurde es sofort zu warm. Ein Teufelskreis, aus dem es scheinbar kein Entkommen gab. Also tat ich, was Männer in solchen Situationen tun: Ich beschwerte mich nicht, sondern ertrug es still und mit leichtem Schnaufen. Jahrelang. Eine dieser unnötigen Herausforderungen, die es zu ignorieren gilt.

Die Zeichen waren da

Dabei hätte ich es wissen können. In den Hotels der letzten Urlaube lagen sie schon: größere Decken. Dasselbe wenn wir aufgrund von Veranstaltungen, die ich mit meiner Frau besuchte, auswärts nächtigten. Ich schlief darunter erstaunlich gut und tat es am nächsten Morgen trotzdem als unnötigen Luxus ab. Wer braucht schon so etwas? Ich nicht. Ich bin ja hart im Nehmen.

Der Wendepunkt

Bis zu diesem Wochenende. Da habe ich zugeschlagen und uns beiden neue Decken gekauft: 155×220. Zwanzig Zentimeter mehr in der Breite, zwanzig mehr in der Länge. Das Ergebnis: Ich kann mich endlich vernünftig zudecken. Kopf, Schultern und Füße, und zwar alles gleichzeitig. Keine nächtlichen Verrenkungen mehr, kein Aufwachen wegen kalter Füße oder kühlen Ohren. Einfach unter die Decke kriechen, einkuscheln und schlafen.

Es ist schon erstaunlich, wie viel Lebensqualität in einer eigentlich so unspektakulären Anschaffung stecken kann. Jahrelang habe ich etwas als Luxus betrachtet, das sich innerhalb einer einzigen Nacht als völlig neue Normalität herausgestellt hat. Manchmal braucht es eben keine großen Veränderungen im Leben. Manchmal reichen 20 cm mehr.

Meine Erkenntnis: Größe ist nicht alles. Aber wenn es um Bettdecken geht, ist sie erstaunlich einfach die Lösung.


Entdecke mehr von Stephan Fuchs

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E‑Mail zu erhalten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Nach oben scrollen