
Warum du ein Modell benötigst – und warum das GROW-Modell das richtige ist
Du kennst das: Du sitzt mit einem Mitarbeiter zusammen, der seine Abschlussquote nicht erreicht. Du weißt, wo das Problem liegt – oder glaubst es zumindest zu wissen. Also erklärst du, gibst Tipps, zeigst, wie es geht. Der Mitarbeiter nickt. Zwei Wochen später: dasselbe Bild.
Genau hier liegt der Unterschied zwischen Unterweisen und Coachen. Beim Coaching gibst du nicht die Antwort vor – du hilfst dem Coachee, seine eigene Antwort zu finden. Und das, was ein Mensch selbst erarbeitet hat, setzt er auch um. Das ist kein Zufall, das ist Psychologie.
Das GROW-Modell ist ein weltweit bewährtes Gesprächsrahmen-Modell, das ursprünglich von Sir John Whitmore, einem Rennfahrer, der sich später zum Coaching-Pionier wandelte, entwickelt wurde. Es gibt dir als Coach eine klare Struktur für Coaching-Gespräche – ohne dass es sich für dein Gegenüber wie ein Schema F anfühlt. Die vier Phasen (Goal, Reality, Options, Will) führen den Mitarbeiter von seinem aktuellen Stand zu einem konkreten nächsten Schritt.
In diesem Artikel lernst du jede Phase des Modells kennen, verstehst die Logik dahinter und bekommst konkrete Fragetechniken und Beispiele aus dem Alltag des Callcenter-Coachings an die Hand.
Das Modell im Überblick
GROW steht für vier aufeinander aufbauende Phasen eines Coaching-Gesprächs:
| G | Goal – Ziel | Was soll das Gespräch erreichen? | Fokus und Richtung herstellen |
| R | Reality – Realität | Wo steht der Mitarbeiter heute wirklich? | Ehrliche Standortbestimmung |
| O | Options – Möglichkeiten | Welche Wege gibt es? | Ideen entwickeln, ohne zu bewerten |
| W | Will – Verbindlichkeit | Was macht der Mitarbeiter als nächstes? | Konkreten Handlungsschritt festlegen |
Die Reihenfolge ist dabei kein Zufall. Du kannst kein wirksames Ziel setzen, ohne die Realität zu kennen. Du kannst keine Optionen entwickeln, ohne ein Ziel zu haben. Und du kannst keine echte Verbindlichkeit herstellen, solange keine konkreten Optionen auf dem Tisch liegen.
G – Goal – Ziel definieren
Was soll dieses Coaching-Gespräch erreichen?
Was diese Phase leistet
Der häufigste Fehler in Coaching-Gesprächen: Man fängt mitten im Thema an. Der Mitarbeiter erzählt von einem schwierigen Gespräch, du reagierst direkt darauf – und plötzlich seid ihr beide im Problemlösen, ohne zu wissen, wohin das Gespräch eigentlich führen soll.
Die Goal-Phase schafft Fokus. Sie ist kein bürokratischer Akt, sondern die entscheidende Weichenstellung: Was soll am Ende dieses Gesprächs anders sein als am Anfang? Das Ziel für genau dieses Gespräch, heute, im Jetzt.
Fragetechniken für die Goal-Phase
| → Was möchtest du nach diesem Gespräch konkret anders machen? |
| → Was wäre heute ein gutes Ergebnis für dich? |
| → Welches Ziel setzen wir uns für deinen nächsten Call? |
| → Wie würde Erfolg für dich aussehen – in Zahlen, im Verhalten? |
Praxisbeispiel aus dem Mobilfunk-Telefonvertrieb
Situation: Dein Mitarbeiter Thomas hat diese Woche nur zwei Verträge abgeschlossen. Das Ziel war fünf. Du vereinbarst ein Coaching-Gespräch.
Beispiel-Dialog: Goal-Phase
Coach: „Thomas, ich freue mich, dass wir uns heute Zeit nehmen. Bevor wir ins Thema einsteigen: Was wäre für dich das beste Ergebnis aus diesem Gespräch? Was möchtest du mitnehmen?“
Thomas: „Ich würde gerne verstehen, warum meine Abschlussquote so niedrig ist – und was ich konkret ändern kann.“
Coach: „Super. Wenn du das verstanden hast – wie würde das für dich konkret aussehen? Was würdest du beim nächsten Call anders machen?“
Thomas: „Wahrscheinlich würde ich mehr Sicherheit beim Preiseinwand haben.“
Coach: „Gut. Dann setzen wir uns heute das Ziel: Du verlässt dieses Gespräch mit einer klaren Strategie, wie du den Preiseinwand selbstbewusst beantwortest. Einverstanden?“
Achte darauf: Du gibst das Ziel nicht vor. Du hilfst dem Mitarbeiter, es selbst zu formulieren. Das macht einen riesigen Unterschied für sein Engagement in der Umsetzung.
Wichtig: Das Ziel muss spezifisch sein.
Besser werden“ ist kein coachbares Ziel.
„Beim nächsten Call zwei Einwand-Techniken aktiv einsetzen“ ist eines.
Hilf dem Mitarbeiter, das Ziel so zu formulieren, dass ihr am Ende des Gesprächs eindeutig sagen könnt: erreicht oder nicht erreicht.
R – Reality – Realität erkunden
Wo steht die Person heute wirklich?
Was diese Phase leistet
Jetzt wird’s ehrlich. In der Reality-Phase erkundest du gemeinsam mit dem Mitarbeiter, wie die Lage tatsächlich aussieht – ohne Beschönigung, aber auch ohne Vorwurf. Deine Aufgabe hier ist nicht, eine Diagnose zu stellen, sondern dem Mitarbeiter zu helfen, seine eigene Situation klar zu sehen.
Das klingt einfacher, als es ist. Viele Mitarbeiter haben blinde Flecken: Sie wissen nicht, was genau in dem Moment passiert, wenn ein Kunde ablehnt. Sie haben keine objektive Einschätzung ihrer eigenen Performance. Und manchmal schützen sie sich vor der Wahrheit, weil sie Kritik, Ärger oder Aufwand fürchten.
Deine Fragen in dieser Phase helfen, diese blinden Flecken sichtbar zu machen – ohne dass du die Antwort vorgibst.
Fragetechniken für die Reality-Phase
| → Wie läuft es gerade – was sagst du selbst dazu? |
| → Was passiert konkret in dem Moment, wenn der Kunde ablehnt? |
| → Auf einer Skala von 1–10: Wie zufrieden bist du mit deiner Abschlussquote? |
| → Was hast du schon ausprobiert, und was war das Ergebnis? |
Praxisbeispiel aus dem Mobilfunk-Telefonvertrieb
Situation: Thomas hat das Ziel formuliert, sicherer beim Preiseinwand zu werden. Jetzt erkundest du die Realität.
Beispiel-Dialog: Reality-Phase
Coach: „Lass uns mal genau hinschauen. Was passiert in dem Moment, wenn ein Kunde sagt: ‘Das ist mir zu teuer?’“
Thomas: „Ich versuche dann meistens, den Preis zu erklären. Dass der Tarif halt günstiger ist als woanders, da wir guten Kundenservice bieten.“
Coach: „Und wie reagiert der Kunde darauf üblicherweise?“
Thomas: „Der winkt dann oft ab. Sagt, er muss sich das nochmal überlegen.“
Coach: „Auf einer Skala von 1 bis 10 – wie sicher fühlst du dich in dem Moment?“
Thomas: „Vielleicht eine 4. Ich weiß nicht so genau, was ich sagen soll.“
Coach: „Was hast du bisher schon versucht, um das vielleicht auf eine Sieben zu verbessern?“
Thomas: „Ich hab’ mal probiert, dem Kunden zu sagen, dass das Angebot nur noch heute gilt. Aber das hat sich komisch angefühlt.“
Coach: „Was genau hat sich komisch angefühlt?“
Sieh, was hier passiert: Thomas beschreibt selbst, was in seinen Calls passiert – und du als Coach hörst aktiv zu. Du bewertest nicht, du analysierst nicht laut, du fragst weiter. Am Ende dieser Phase habt ihr ein gemeinsames, ehrliches Bild der Ausgangssituation.
Typische Fallen in der Reality-Phase
Falle 1: Du diagnostizierst zu früh. („Das Problem ist, dass du keinen Nutzen verkaufst.“) – Das unterbricht den Selbstreflexionsprozess des Mitarbeiters.
Falle 2: Du stellst zu viele geschlossene Fragen. („Machst du das immer so?“) – Offene Fragen bringen mehr.
Falle 3: Du springst direkt zu Lösungen über. – Bleib in der Reality-Phase, solange das Bild nicht vollständig ist.
O – Options – Möglichkeiten entwickeln
Ideen sammeln – NICHT bewerten!
Was diese Phase leistet
Jetzt kommt die kreativste Phase des Gesprächs. Du und dein Coachee sammelt gemeinsam alle möglichen Wege, die zum Ziel führen könnten. Das Schlüsselwort: ALLE. Noch keine Bewertung, noch keine Entscheidung.
Warum das so wichtig ist: Wenn du zu früh bewertest, schränkst du das Denken des Mitarbeiters ein. Er hört auf, eigene Ideen zu entwickeln, und wartet auf deine. Die Options-Phase dreht das um: Hier ist der Mitarbeiter der Experte für sein eigenes Verhalten. Du bist Sparringspartner.
Als Coach darfst du in dieser Phase durchaus auch eigene Ideen einbringen – aber immer als Angebot, nie als Anweisung. Der Unterschied: „Was würdest du einem Kollegen raten?“ öffnet den Gedankenraum. „Du solltest das so machen“ schließt ihn und kann zu Ablehnung führen.
Fragetechniken für die Options-Phase
| → Was wären mögliche Wege, um das Ziel zu erreichen? |
| → Was würdest du einem Kollegen in deiner Situation raten? |
| → Was wäre das Mutigste, was du tun könntest? |
| → Wenn Zeit und Ressourcen keine Rolle spielten – was würdest du tun? |
Praxisbeispiel aus dem Telefonvertrieb
Situation: Ihr habt gemeinsam erarbeitet, dass Thomas bei Preiseinwänden unsicher ist und oft zu früh nachgibt. Jetzt entwickelt ihr Optionen.
Beispiel-Dialog: Options-Phase
Coach: „Jetzt lass uns mal brainstormen – ganz ohne Bewertung. Was wären mögliche Wege, wie du sicherer mit dem Preiseinwand umgehen könntest?“
Thomas: „Ich könnte mir einen festen Satz überlegen, den ich dann sage.“
Coach: „Gut, der geht auf die Liste. Was noch?“
Thomas: „Ich könnte mir die Calls mal anhören und so herausfinden was ich wirklich sage.“
Coach: „Super Idee. Was würdest du einem neuen Kollegen raten, der die gleiche Herausforderung hat?“
Thomas: „Dem würde ich sagen: Lass den Kunden reden. Versteh erst, was wirklich hinter dem Einwand steckt.“
Coach: „Interessant – was steckt deiner Meinung nach hinter ‘zu teuer’?“
Thomas: „Meistens weiß der Kunde nicht, was er eigentlich bekommt. Oder er vergleicht nur den monatlichen Preis.“
Coach: „Welche Möglichkeit hättest du, das im Gespräch früher anzusprechen?“
Ihr habt jetzt möglicherweise vier oder fünf Optionen gesammelt. Keine wurde bisher bewertet. Das ist genau richtig. Im nächsten Schritt – der Will-Phase – wählt der Mitarbeiter selbst aus.
Der Unterschied zwischen Option und Anweisung
Anweisung: „Du musst den Kunden zuerst fragen, was er sich genau vorstellt.“
Option: „Was hältst du davon, den Kunden zuerst zu fragen, was ihm bei einem Tarif am wichtigsten ist?“
Der Effekt ist enorm: Wer selbst entscheidet, handelt auch selbst. Wer Anweisungen bekommt, erwartet auch beim nächsten Problem wieder eine Anweisung und macht es nur, weil er es tun muss.
W – Will – Verbindlichkeit herstellen
Welchen konkreten Schritt geht dein Coachee als nächstes?
Was diese Phase leistet
Das Gespräch war gut. Der Mitarbeiter hat reflektiert, Optionen entwickelt, neue Perspektiven gewonnen. J
etzt kommt die entscheidende Frage: Was passiert nach dem Gespräch?
Ohne die Will-Phase ist Coaching ein gutes Gespräch ohne Konsequenzen. Die Will-Phase wandelt Einsicht in Aktion. Sie ist kurz, aber kraftvoll: Du hilfst dem Mitarbeiter, sich auf einen konkreten, termingebundenen nächsten Schritt festzulegen.
Wichtig: Der Mitarbeiter wählt. Du fragst, du fasst zusammen, du sicherst ab. Aber der Schritt kommt vom Mitarbeiter selbst. Das ist der Kern von Eigenverantwortung. Die Königsklasse: Du führst das Gespräch geschickt so, dass dein Gegenüber dein gewünschtes Ziel wählt und das Gefühl hat, es sich selbst ausgesucht zu haben.
Fragetechniken für die Will-Phase
| → Was genau wirst du bis wann umsetzen? |
| → Woran erkennst du, dass du es erreicht hast? |
| → Was könnte dich davon abhalten – und wie gehst du damit um? |
| → Ich prüfe bei dir in einer Woche nach – passt das für dich? |
Praxisbeispiel aus dem Telefonvertrieb
Situation: Thomas hat mehrere Optionen erarbeitet. Jetzt geht es darum, was er konkret tut.
Beispiel-Dialog: Will-Phase
Coach: „Wir haben jetzt einige Ideen gesammelt. Welche Option spricht dich am meisten an? Was willst du wirklich ausprobieren?“
Thomas: „Ich glaube, ich möchte mir einen Satz für den Preiseinwand überlegen – und ich möchte den Kunden zuerst fragen, was ihm beim Tarif wichtig ist, bevor ich über den Preis rede.“
Coach: „Gut. Was genau wirst du bis wann umsetzen?“
Thomas: „Ich schreibe mir heute noch meinen Satz auf. Und ab morgen fange ich an, in jedem Call zuerst nach den Prioritäten des Kunden zu fragen.“
Coach: „Woran wirst du erkennen, dass du es wirklich gemacht hast?“
Thomas: „Wenn ich in jedem Gespräch diese Frage stelle – und wenn ich beim Preiseinwand nicht mehr schweige.“
Coach: „Was könnte dich davon abhalten?“
Thomas: „Wenn der Kunde sofort zum Preis kommt und keine Zeit lässt.“
Coach: „Wie gehst du damit um?“
Thomas: „Dann frage ich danach: ‘Bevor wir zum Preis kommen – darf ich kurz fragen, was Ihnen bei einem Tarif am wichtigsten ist?’“
Coach: „Perfekt. Ich melde mich in zwei Tagen bei dir, und wenn du Unterstützung benötigst, komm vorbei – wie klingt das?“
Sieh, was am Ende steht: ein klarer Schritt, ein konkreter Zeitrahmen, ein Mechanismus, um Hindernisse zu überwinden – und eine Vereinbarung für das Follow-up. Das ist der Unterschied zwischen einem netten Gespräch und echtem Coaching.
Das GROW-Gespräch im Gesamtbild
Hier siehst du, wie ein vollständiges GROW-Gespräch aussehen kann – kompakt zusammengefasst.
Dieses Gespräch dauert in der Realität 20 bis 40 Minuten.
| Phase | Deine Frage / Aussage | Ergebnis |
|---|---|---|
| G – Goal | „Was möchtest du aus diesem Gespräch mitnehmen?“ | Ziel: Sicherheit beim Preiseinwand entwickeln |
| R – Reality | „Was passiert genau, wenn der Kunde ablehnt?“ | Erkenntnis: Thomas erklärt Preise, statt Nutzen zu kommunizieren |
| O – Options | „Was wären mögliche Wege? Was würdest du einem Kollegen raten?“ | Optionen: Fragesatz entwickeln, Kundenprioritäten abfragen, Calls aufnehmen |
| W – Will | „Was wirst du konkret tun – und bis wann?“ | Verbindlichkeit: Satz formulieren, ab morgen in jedem Call anwenden |
Häufige Fehler beim GROW-Coaching – und wie du sie vermeidest
Als angehender Coach wirst du Fehler machen – das ist normal und sogar wichtig für deinen Lernprozess. Hier sind die häufigsten Stolperfallen:
Fehler 1: Zu früh zur Lösung springen
Du hörst das Problem und weißt sofort die Antwort. Also übergibst du sie. Das fühlt sich effizient an – ist es aber nicht. Der Mitarbeiter hat nichts selbst erarbeitet und wird beim nächsten ähnlichen Problem wieder zu dir kommen.
Besser: Halt dich in der Reality- und Options-Phase. Frag weiter, auch wenn du die Antwort schon siehst. Führe deinen Coachee zur Eigenerkenntnis und halte dabei Schweigephasen so lange aus, bis eine Antwort von ihm kommt.
Fehler 2: Das Ziel ist zu vage
„Besser werden“ oder „mehr abschließen“ sind keine coachbaren Ziele. Du kannst am Ende des Gesprächs nicht prüfen, ob das Ziel erreicht wurde.
Besser: Fordere Konkretheit ein. „Was heißt ‘besser’ für dich – in Zahlen oder in einem bestimmten Verhalten?“
Fehler 3: Optionen bewertest du sofort
Der Mitarbeiter schlägt etwas vor, und du sagst: „Das hat bei anderen nicht funktioniert.“ Damit stoppst du den kreativen Prozess und der Mitarbeiter hört auf, eigene Ideen einzubringen.
Besser: In der Options-Phase gilt: alles auf die Liste, Bewertung erst danach. Du kannst nach dem Brainstorming gezielt fragen: „Welche dieser Ideen hältst du für am realistischsten?“
Fehler 4: Kein Controlling vereinbart
Das Coaching-Gespräch war toll – und dann passiert nichts. Ohne Folgetermin fehlt die Verbindlichkeit.
Besser: Vereinbare immer einen konkreten Controlling-Termin. Und halte ihn ein.
Fehler 5: Du coachst, ohne Vertrauen aufzubauen
GROW funktioniert nur in einem Klima psychologischer Sicherheit. Wenn der Mitarbeiter Angst vor negativen Konsequenzen hat, wird er in der Reality-Phase nicht ehrlich sein.
Besser: Mach am Anfang des Gesprächs klar, dass das hier ein geschützter Raum ist. Kein Bericht an den Vorgesetzten, keine Konsequenzen aus ehrlichen Antworten. Keine Notwendigkeit für Rechtfertigung. Pure Unterstützung.
Coaching vs. Führen – der wichtige Unterschied
Als Coach-in-Ausbildung arbeitest du in einem Umfeld, in dem Führungskräfte und Coaches oft dieselben Personen sind. Das wirft eine wichtige Frage auf: Wann coachst du – und wann führst du?
| Führen | Coachen |
|---|---|
| Du gibst Anweisungen | Du stellst Fragen |
| Du löst das Problem | Du hilfst beim Selbst-Lösen |
| Du definierst das Ziel | Der Mitarbeiter definiert sein Ziel |
| Schnell bei akuten Situationen | Nachhaltig für Entwicklung |
| „Mach das so“ | „Was würdest du tun?“ |
Beide Ansätze haben ihre Berechtigung. Bei einem neuen Mitarbeiter in der ersten Woche führst du mehr. Bei einem erfahrenen Mitarbeiter, der ein Leistungsproblem hat, coachst du mehr. Das GROW-Modell ist kein Allheilmittel – es ist ein kraftvolles Werkzeug für die richtigen Situationen.
Fazit: Was das GROW-Modell wirklich verändert
Das GROW-Modell verändert nicht nur, wie du Gespräche führst. Es verändert, wie deine Mitarbeiter über sich selbst denken. Wer regelmäßig durch GROW-Gespräche begleitet wird, entwickelt mit der Zeit die Fähigkeit, sich selbst zu coachen: eigene Ziele setzen, Realität ehrlich einschätzen, Optionen entwickeln, Verantwortung übernehmen.
Im Alltag bedeutet das: weniger Abhängigkeit von der Führungskraft, mehr Eigeninitiative, nachhaltigere Leistungssteigerung. Ein Mitarbeiter wie Thomas, der versteht, warum er beim Preiseinwand unsicher ist – und selbst einen Weg herausfindet –, wird mittelfristig viel stärker als einer, dem du die Lösung gebracht hast.
Das GROW-Modell ist ein Handwerk. Du wirst es in deiner Ausbildung immer wieder üben, Feedback bekommen, es anpassen. Lass dich davon nicht entmutigen, wenn die ersten Gespräche noch holprig sind. Jede Phase, jede Frage, jedes Gespräch macht dich besser.
Dein nächster Schritt als Coach-in-Ausbildung
- Führe dein nächstes Entwicklungsgespräch bewusst nach dem GROW-Modell.
- Notiere nach dem Gespräch: In welcher Phase warst du am sichersten? Wo hast du gemerkt, dass du zu früh zur Lösung gesprungen bist?
- Bitte einen Kollegen oder deinen eigenen Coach um Feedback zu deinen Fragen.
- Lies diesen Artikel vor dem Gespräch nochmal quer – und nach dem Gespräch auch.
Viel Erfolg bei deiner Coach-Ausbildung.
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